Review: Binbougami ga! – Von Unglücksgöttern, lüsternen Mönchen und Masochistenhunden

Wenn die Götter Auslauf haben, dann bleibt kein Auge trocken. So zumindest in „Binbougami ga!“. Mit dem Ende der diesjährigen Summer Season findet auch ein sehr guter Slapstick-Anime seinen Abschluss. Somit stehe ich als Comedy-Fan quasi in der Pflicht euch von meinem persönlichen Highlight dieses Sommers zu berichten.

Die Story von „Binbougami ga!“ ist schnell erzählt: Wir haben die überaus schöne, intelligente, sportliche und talentierte Sakura Ichiko (die nebenbei von einer meiner Lieblingsseiyuu, Kana Hanazawa, gesprochen wird), der alles gelingt und die, als das Glück verteilt wurde, offenbar mit der Suppenkelle anstand. Diese enorme Glücksenergie ruft jedoch die Götter des Unglücks auf den Plan, die das Gleichgewicht des Glücks wiederherstellen wollen. So wird die Göttin des Pechs, Momiji, auf die Erde gesandt, um der lieben Ichiko das Glück auszusaugen. Das lässt sich das verwöhnte Mädchen aber natürlich nicht gefallen und so entsteht ein comedy-geladenes Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden.

Die Serie setzt dabei neben Parodien von althergebrachten Animes, wie Dragonball Z, One Piece und Death Note aber vor allem auf Slapstick. So kann es schon mal vorkommen, dass ein kleines Tennismatch in einem Tornado eskaliert und im gesamten Anime gefühlt 100 Fensterscheiben und Hauswände dran glauben müssen. Meist gefolgt von einem Wutausbruch von Ichiko, nur, um dann wieder in einer total verrückten Aktion eines der Protagonisten zu enden. Von denen haben wir nämlich nur die besten vertreten. Stereotypen sucht man hier nämlich vergebens (die leicht tsundere Main mal außen vor gelassen). Es gibt einen perversen, schwarzen Mönch mit Brustfetisch, einen masochistischen Hundegott, dem keine Strafe zu schön sein kann, eine burschikose Karatekämpferin mit rosa Haaren und Retro-Kampfmantel, einen Dauerpenner, einen Teddy-Assistenten mit Joey-Wheeler-Gedächtnis-Fratze, einen Kackhaufengott und noch viele, viele mehr. Trotz des relativ großen Cast dreht sich aber die Handlung meist um die beiden Maincharas und ihren erbitterten Kampf um die Glücksenergie. Die Serie bietet im Grunde also „nur“ eine Aneinanderreihung von Gag-Einlagen und eine spannende Story sucht man vergebens. Die braucht es aber auch gar nicht. Schließlich nimmt sich der Anime selbst kaum ernst und erwartet das auch nicht von den Zuschauern.

Gegen Mitte der Story wird dann aber doch etwas Drama ins Spiel gebracht, da Ichiko, soviel Glück sie auch haben mag, den Menschen in Ihrer Umgebung damit das Glück „stiehlt“ und oft allein dasteht. Erst durch das Auftauchen der Göttin des Pechs, Momiji, lernt sie, wenn auch eher unfreiwillig, dass es ebenso schön sein kann, Glück zu teilen. Diese eher ernsteren Szenen werden häufig zwischen die Gags gepackt, wodurch sie manche Zuschauer als störend oder deplatziert betrachten könnten. Auch wird nie konkreter auf Ichikos Vergangenheit eingegangen und das Ganze eher halbherzig angerissen. Immerhin kann diese eine Sache mit Ihrer Kindheitsfreundin nicht der einzige Grund für ihr Verhalten gewesen sein. Trotzdem habe ich diesen Kontrast der lustigen und gefühlvollen Momente sehr genossen. Das hat mich schon an der Realserie „Scrubs“ fasziniert. Hier meisterte man diese Balance gekonnt und auch wenn Binbougami ga bei diesen Aspekt noch viel Nachholbedarf hat, finde ich das besser, als pure Comedy, bei der 24 Minuten lang ein Gag den nächsten jagt. Diese fehlende Balance zwischen Drama und Comedy ist aber meiner Meinung nach das Einzige, was man dem Anime ernsthaft ankreiden könnte.

Der Soundtrack fiel mir an keiner Stelle negativ auf und Opening und Ending haben wirklich Ohrwurmgarantie. Allen voran das OP „Make my day“ von Piko könnte ich mir stundenlang anhören^^. Auch die Seiyus machen einen guten Job. Kana Hanazawa (Kanade in Angel Beats, Kobato in Haganai, Shiemi in Blue Exorcist) bringt Ichikos hysterische Art einwandfrei rüber, auch wenn ihre Stimme für das schöne Mädchen anfangs etwas ungwohnt wirkt. Etwas besser ist da Yumi Uchiyama (Nagisa in A-Channel), die Momiji spricht. In einem Moment hört man, wie genervt sie von Ichikos Verhalten ist und im anderen Moment erklärt sie mit zuckersüßer Stimme, die Funktionsweise der Binbougami-Items (der Werkzeuge der Unglücksgötter).

Die Animationen zeichnen sich durch viele SD-Szenen aus, was bei einem Comedy-Anime nicht anders zu erwarten ist, sind aber immer auf durchschnittlich gutem Niveau. Man wird auch keinesfalls verwirrt, bei den vielen Explosionen und schnellen Hetzjagden. Sicherlich sind die Szenen teils etwas sprunghaft, aber hier wird kein riesiges Effektfeuerwerk losgelassen, bei dem man kaum noch sieht, wer auf dem Bildschirm was macht.

Mein Fazit:

„Binbougami ga!“ ist purer Slapstick, so wie ich ihn liebe, mit einem Schuss Drama. Wer jedoch eine durchdachte Story erwartet, der sollte von der Serie eher die Finger lassen. Dreh- und Angelpunkt sind hier nämlich die Charaktere und ihre total verrückten Persönlichkeiten. Ein Anime, der mir jedesmal aufs Neue Vorfreude auf die kommende Folge gemacht hat und den man locker auch einmal zwischendurch reinschieben kann, um einfach für 24 Minuten dem Hirn eine Pause zu geben.

Advertisements

4 Kommentare zu “Review: Binbougami ga! – Von Unglücksgöttern, lüsternen Mönchen und Masochistenhunden

  1. Klingt doch ulkig, erinnert mich irgendwie vond er Figurenbeschreibung an Dr. Slump, zumindest ist sowas mein Ding, hoffen wir das wird mal gedubbed den weg hierherfinden. Schöner Bericht allemal, sehr stimmig beschrieben

    • Obwohl Animes mit Parodien es ja selten zu uns schaffen, könnte es hier vielleicht möglich sein. Immerhin werden hier meist Serien parodiert, die selber bei uns schon liefen.

  2. “ Diese fehlende Balance zwischen Drama und Comedy ist aber meiner Meinung nach das Einzige, was man dem Anime ernsthaft ankreiden könnte.“
    Ich kreide der Serie an, dass das schlechte Drama eine wirklich gute Comedy Serie kaputt gemacht hat. Das Anime hätte wirklich gut sein können, das wurde uns oft genug bewiesen. Leider musste die Serie sich dann aber immer wieder zu peinlich schlechten und besonders auch sinnlosen Drama hinreißen lassen, was alles gute direkt wieder ausgleicht. Deswegen haben es auch viele Leute gedropped, ich jedoch nicht, denn ich habe dann einfach angefangen alle Drama Szenen zu skippen, da man da ja eh nichts verpasste und die guten Comedy Einlagen war es mir einfach wert, dran zu bleiben. Ich denke Leute die nichts gegen schlecht gemachten Drama haben, werden die Serie über alles lieben. Oh und die letzten zwei Folgen waren alleine wert geguckt zu werden, wegen der 100 % mehr moe Version von Momiji und das obwohl ich sie sogar vorher schon mochte.

    Trotzdem solltest du mal wieder nicht übertreiben, denn es gibt wirklich Serien, die Comedy und Drama gut unter einen Hut gekriegt haben. Diese hier zählt aber keines Wegs dazu und ist somit maximal durchschnittlich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s