Review: Jinrui wa Suitai Shimashita – Wenn die Menschheit abgelöst wird

In letzter Zeit bin ich mal dazu gekommen viele Serien durchzuschauen. Dabei bin ich auch auf diesen erst kürzlich gelaufenen Anime aufmerksam geworden. Irgendwie hat er in mir solch eine seltsame Faszination, wie bereits „Die Melancholie der Haruhi Suzumiya“, ausgelöst. Hinter der bunten Fassade steckt jedoch viel Kritisches. Man sollte sich also nicht vom Titelbild täuschen lassen.

In „Jinrui wa Suitai Shimashita“ (übersetzt „Die Menschheit zerfällt“) befinden wir uns in einem fiktiven, ich nenn es mal „postapokalyptischen“, Szenario, in dem die menschliche Rasse allmählich immer mehr abnimmt. Der Umstand hierfür wird nicht geklärt, ist allerdings auch nicht bedeutsam. Auch gab es keinen Krieg, der das langsame Aussterben der Menschen erklären könnte. Allerdings gibt es kleine Wesen, die seitdem ihr Unwesen unter den Menschen treiben. Sie werden schlichtweg „Elfen“ (im Englischen „Fairies“) genannt, sind sehr eifrig, verspielt, lieben Süßes und können sich unter bestimmten Umständen rasant entwickeln. Sie werden nun als die „neuen Menschen“ bezeichnet. Die Geschichte dreht sich dabei um den Mainchar, dessen Name nie erwähnt und der  allgemeinhin einfach „Ich“ (im Japanischen „Watashi“) genannt wird. Sie ist ein Vermittler zwischen den Elfen und Menschen. Obwohl sie anfangs denkt, ein leichtes Los damit gezogen zu haben, muss sie schnell feststellen, dass die kleinen Wesen so ihre ganz eigenen Marotten haben, was sie im Grunde schon „menschlich“ macht.

Und damit wären wir auch schon beim Thema des Anime: den Menschen. Denn im Grunde geht es genau darum. Wie bereits anfangs erwähnt ist es eine sehr kritische Serie. Es werden oftmals durch die Blume bzw. durch die Elfen typische menschliche Fehler dargestellt. Das fängt bei der religiösen Verehrung von Göttern an, geht über Mobbing und Ausgrenzung Anderer und endet bei der unstillbaren Gier nach Fanservice und Yaoi-Mangas (ja, richtig gehört!). Der Anime spielt viel mit Metaphern und verpackt diese, vor allem zu Beginn mit einigen skurrilen Comedy-Einlagen. Hier wird sich dann auch mal etwas über Fansubs lustig gemacht und eigentlich tiefgefrorene Hähnchen fangen plötzlich an zu sprechen. Gegen Ende wird das Ganze dann etwas ernster. Wobei es schwierig ist das „Ende“ zu definieren, da die einzelnen Episoden nicht chronologisch angeordnet sind (dazu später mehr).

Was mein Interesse jedoch geweckt hat war der Mainchar und ihre Reaktionen auf das Verhalten der Elfen und ihrer Mitmenschen. Auch von ihrem Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen. Ist sie doch meist ernüchtert darüber, dass die Menschen und die Elfen doch in einigen Dingen gar nicht so verschieden sind. Sie wirkt durch ihre gesamte Art sehr authentisch, da sie nicht in die typischen Muster eines Genki-Girls ála Haruhi oder einer Tsundere, wie Asuka aus NGE oder Taiga aus Toradora passt. Nicht zuletzt durch sie habe ich mich beim Schauen irgendwie an „Die Melancholie der Haruhi Suzumiya“ erinnert gefühlt. Im Grunde ist sie nämlich ein weiblicher Kyon und somit jemand, mit dem die meisten sich wohl identifizieren können. Außerdem haben 2 gewisse Zeitreise-Folgen in mir die böse Erinnerung an „Endless Eight“ aus der 2. Staffel von Haruhi geweckt, die ich bereits gekonnt verdrängt hatte.

Der gesamte Anime ist sehr abstrakt und bietet viel Raum für Interpretation. Es ist keine Serie, die, wie bei Slice-of-Life, nur von den Charakteren lebt. Hier geht man schon etwas tiefgründiger und versucht den Zuschauer zum Mitdenken zu animieren. Oftmals muss man dann auch schmunzeln, wenn man gewisse Szenen schon mal in irgendeiner Form selbst erlebt hat. Auch bleiben viele Mysterien ungeklärt, wie z.B. woher die Elfen kommen und was die Menschen nun eigentlich für ein Ziel verfolgen. Die Story ist lose aufeinander aufgebaut und leicht episodisch. Es ist auch schwierig für mich den Anime zu werten, da ihn sicher jeder anders sehen wird. Mal davon abgesehen, dass ich mir teilweise selbst nicht erklären kann, was in mir immer wieder Spannung auf die nächste Folge geweckt hat. Vielleicht ist es diese Mischung aus der scheinbar heilen Welt, die uns die Animationen verkaufen wollen, und die es in Wirklichkeit nicht ist. Sie lockt einen als Zuschauer mit der Erwartung eines moetastischen Animes, nur um uns dann einen Dämpfer im Sinne eines Mindfuck zu geben. Die nicht chronologische Episodenführung tut dann ihr übriges. Obwohl es kein Problem ist die Folgen in der ausgestrahlten Reihenfolge zu gucken, wäre meine Empfehlung diese Abfolge:

10-9-7-8-5-6-1-2-3-4-11-12

Mein Fazit:

Jinrui ist wahrlich ein Wolf im Schafspelz. Der Anime überrascht mit Originalität und bietet mal etwas Abwechslung von all den Moe-Blobbern, Ecchis und School-Comedys. Ich würde sogar soweit gehen und ihn als Kunst bezeichnen, einfach weil er viel mit Stilmitteln, wie Metaphern und ausgefallenen Zeichnungen, spielt und jeder eine andere Erfahrung daraus mitnimmt. Gerade deswegen ist der Anime aber auch keine leichte Unterhaltung für zwischendurch. Wer also Lust darauf hat sich beim Schauen mal etwas Gedanken zu machen und auf ausgefallenes Storytelling steht, der ist hier jedenfalls an der richtigen Adresse.

Sub-Empfehlung:

Zum Anschauen empfehle ich euch entweder den Sub auf Crunchyroll (für die Premiummitglieder) oder den englischen Sub von Anime Senshi, die auch einen Batch-Torrent anbieten. Leider gibt es auf deutsch bislang nur eine Folge von Valoon Subs. Hier kann es aber noch eine ganze Weile dauern, bis die mit der kompletten Serie durch sind.

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4 Kommentare zu “Review: Jinrui wa Suitai Shimashita – Wenn die Menschheit abgelöst wird

  1. Klingt ganz unterhaltsam, nachdenkliche Serien können ganz unterhaltsam sein, aber auch manchmal etwas zu Pädagogisch daherkommen, man denke an Earth Girl Arjuna. Der Anime klingt dennoch unterhaltsam aber weiß gott, was soll dieser UNSINN immer die Serien in einer falschen Reihenfolge zu bringen?

    Dieser Trend ist ENTSETZLICH! WARUM japan? Es macht keinen Anime interessanter oder fesselnder, es nervt schlichtweg! Es nervte bei haruhi, es nervte bei Garden of Sinners, ES NERVT IMMER! Das müssen die Macher sich echt mal wieder abgewöhnen.

    Ansonsten gute Review, sehr persönlich ^^

  2. Mich spricht dieser Anime definitiv an: zum einem scheint das Chara Design richtig toll geworden zu sein (von dem Setting mal ganz zu schweigen) und zum anderen gibt es noch einen Mindfuck obendrauf…besser geht´s doch nicht!! xD
    Außerdem mag ich kritische Animes ab und zu auch sehr gern – darum fand ich Arjuna eigentlich auch ziemlich cool (wenn man bedenkt, dass die Produzenten zu Recherchezwecken sogar an den Amazonas gereist sind… Ö.Ö)
    Ich fürchte, meine „Das gucke ich, wenn ich Zeit hab“-Liste wird immer länger. ;P

    Danke für dieses ausführliche und sehr interessante Review! 🙂

  3. Der Anime klingt auf jeden Fall sehr interessant und ich habe ihn auch schon meinem „noch-anschauen-Plan“ hinzugefügt. Solche Anime finde ich immer sehr ansprechend.
    Bezüglich der falschen Reihenfolge muss ich aber Kame recht geben. Was soll das? Es nervt und ist sinnlos. -.-

  4. Pingback: Und nun ein Podcast: “Scheiße auf Band” | NanoDesu

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