Erlebnisbericht: Manga-Comic-Convention 2015 (1)

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Alle Jahre wieder… spielt Leipzig verrückt und lässt die (Manga-)Leinen los. Dieses Jahr zum zweiten Mal mit ihrer eigenen Convention zur Leipziger Buchmesse, der Manga Comic Convention (MCC).

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass ich seit Jahren ein treuer Besucher der womöglich größten Buchmesse Deutschlands bin. Mittlerweile wohnhaft im schönen Leipzig, ließ ich es mir auch dieses Jahr nicht nehmen, das Event in vier Tagen genau unter die Lupe zu nehmen.

 Tag 1 – Donnerstag (12.03.2015)

Im letzten Jahr habe ich mir den Donnerstag gesichert, um einmal in aller Ruhe die Stände abzugehen und mir, abseits des Trubels der nächsten Tage, einen guten Überblick über die MCC zu verschaffen. So auch in diesem Jahr. Dabei fiel mir vor allem auf, dass es vom Aufbau her kaum Veränderungen zum vergangenen Jahr gab, aber dafür das Händlerangebot umso mehr mein Interesse weckte. Dies ist keineswegs positiv gemeint, auch wenn wieder die alten Hasen unter den Händler wie Figuya oder anime import vertreten waren. Auffällig war vor allem, dass es wieder vermehrt Stände gab, die Bootlegs anboten. Das fing bei Kopfkissen an, ging über Mini-Dakimakura (die 1 m langen) bis hin zu den allseits beliebten Figuren. Hatte man dies letztes Jahr noch erfolgreich (zumindest zum Großteil) eindämmen können, musste man dieses Jahr umso genauer hinschauen.

Ansonsten brauchte man sich im Grunde überhaupt nicht umgewöhnen, da alles an seinem gewohnten Platz stand, was natürlich auch vorteilhaft ist. Einzig das Anime-Kino machte einen positiven Umzug in einen ca. 100 Meter entfernten Meeting-Raum der Leipziger Messe. Hier konnte man nun ohne Platzmangel und auf bequemen Stühlen den Anime-Premieren und Trailern lauschen und ging ohne Rückgratverkrümmung aus dem Saal. Meine Berufsunfähigkeitsversicherung bedankte sich.

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Aus Bequemlichkeit machte ich hier dann auch einen Großteil meiner Messeeinkäufe, der ökonomisch bedingt diesmal etwas kleiner ausfiel (so ein Bordell in Barcelona bezahlt sich ja auch nicht von allein ab, wisst ihr). Es gab wieder ein Daki, das allerdings mit einem Meter Länge kürzer als sonst ausfiel, und einige der Manga-Neuerscheinungen, die es hier exklusiv gab, bevor diese meinen heimischen Comicladen erreichten.

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Aus purem Zufall traf ich auch noch den Muetsch von Nanaone, der mich auch am Sonntag noch begleiten sollte. Aber dazu später mehr.

Tag 2 – Freitag (13.03.2015)

Der Freitag begann um knapp 10.30 Uhr mit der Ankunft auf der Messe. Die Zeit bis um 12 überbrückte ich ein wenig mit dem Programm auf der großen Bühne, wo gerade Shiroku – eine deutsch-asiatische Sängerin – eines ihrer Mini-Konzerte mit japanischen Anime-Songs gab.

Danach ging es auf zum Bahnhof, um den guten Nipah abzuholen, mit dem ich die weiteren Tage verbringen durfte. Wir mussten uns aber auch gleich beeilen, weil um 13 Uhr das peppermint anime-Panel startete, in dem der Publisher seine aktuellen und neuen Titel vorstellte. Man erfuhr, dass die Serie „Ano Hi Mita Hana no Namae o Bokutachi wa Mada Shiranai.“ (kurz: AnoHana) zusätzlich zu dem im Januar auf dem peppermint anime festival gezeigten Film für Deutschland lizenziert wurde und Ende des Jahres auf DVD und Blu-Ray erscheinen soll. Sebastian Horn von peppermint anime versicherte sogar, dass „ein adäquater Kindercast“ dafür herangezogen werden soll. Wir dürfen also gespannt sein.

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Viel mehr gab es dann leider auch nicht an Neuerungen, da dem Publisher kurzfristig von den Japanern untersagt wurde, eigentlich sichere Lizenzen anzukündigen. Diese folgten dann aber ein paar Tage darauf (siehe peppermint animes Facebook-Seite).

Im Anschluss daran sicherten Nipah und ich uns auch gleich noch ein Autogramm von Jennifer Weiss, der deutschen Sprecherin von Yui aus K-ON!, Ayumi aus Detektiv Conan und seit Neustem auch Sinon aus Sword Art Online II. Das passende Fanfoto dazu und die damit verbundenen spontanen Erblindungen beim Anblick eines solch stattlichen jungen Mannes (ja, damit bin ich gemeint!) erspare ich euch an dieser Stelle.

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Unser nächster Halt führte uns zum Storytelling-Workshop, der eigentlich kein Workshop war, sondern viel eher eine One-on-One-Befragung einer freien Autorin des Art Macoro-Forums. Um nicht komplett dumm von Dannen zu ziehen, ließen wir uns von ihr mal ein paar Tipps zum Schreiben des eigenen Buches geben, welche vielleicht einer von uns mal irgendwann gebrauchen könnte. Wer weiß, vielleicht stehe ich ja bald in einer der anderen Messehallen und darf aus meinem ersten Bestseller vorlesen. Bock hätte ich darauf^^.

Hier mal ein kleiner Abriss ihrer Tipps für angehende Schriftsteller:

– Der erste Absatz eines Buches ist besonders wichtig. Viele Leser machen hier schon fest, ob sie weiterlesen wollen oder das Buch zurück ins Regal legen.

– Ein grober Aufbau (Anfang, Wende-/Höhepunkt, Ende) muss erkennbar sein und sollte bereits zu Beginn feststehen.

– Passende Musik beim Schreiben von Szenen hilft ungemein, die richtige Stimmung rüberzubringen.

– Als auktorialer Erzähler schreibt es sich oft einfacher als aus der Ich-Perspektive.

– Ist man sehr chaotisch beim Erstellen seiner Geschichte, dann hilft es, Karteikarten mit Schlüsselevents einfach auf dem Boden auszubreiten und diese so anzuordnen, wie man sich die Chronik der Geschichte vorstellt.

– Und das Wichtigste zum Schluss: IHR müsst Spaß an eurer Geschichte haben, nicht die Leser. Ein aufmerksamer Leser merkt sofort, wenn etwas gezwungen oder gekünstelt geschrieben ist.

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Zum Abschluss des Freitags setzten wir uns dann wieder in die Publikumsreihen der großen Bühne und lauschten der interessanten Diskussionsrunde mit dem Namen „MangaKo“. Hier philosophierten Joachim Kaps, Chef von TOKYOPOP, Melanie Schober, eine Mangaka und Autorin, und der Vorsitzende des deutschen Sailor Moon-Fanclubs über die Entwicklung der Manga-Szene innerhalb der letzen Jahre. Es wurde deutlich, dass Mangas vor allem im öffentlichen Blickwinkel mittlerweile anders aufgefasst werden, als dies noch vor einiger Zeit der Fall war. Die Akzeptanz dessen als eigenständiges Genre der Literatur steigt in der westlichen Welt und auch in Deutschland immer mehr. Viele westliche Unternehmen und Labels greifen das Thema gern auf. Man denke da nur an die „Miss Manga Mascara“-Reihe von Schwarzkopf oder die erst neulich veröffentliche „Kawaii-Collection“ von H&M. Auch durch PSYs Gangnam Style wurde die Aufmerksamkeit verstärkt auf Fernost gelenkt.

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Joachim Kaps meinte, dass auch unter den Verlagen der Manga stark an Popularität gewonnen hat. Es gibt mittlerweile eine recht große deutsche Doujin-Szene und die Community wächst und wächst. Darauf seien die „klassischen Verlage“ sogar in gewisser Weise neidisch, ist dies doch in anderen Bereichen der Literatur weniger stark ausgeprägt. Mangaka aus Japan werden auf der Leipziger Buchmesse teils tosender empfangen als so manche Schauspieler aus Funk und Fernsehen.

Manga und Anime sind allmählich im Mainstream angekommen und scheinen nun eine ähnliche Entwicklung wie vor ein paar Jahren die Gaming-Industrie durchzumachen, wenn sicher auch nicht so rasant. Ich selbst merke dies auch im Bekanntenkreis, habe ich doch erst letztens einer Bekannten einen Manga zum Lesen geliehen. Sie wollte sich selbst einmal ein Bild von der Faszination machen, die dahinter steckt.

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Im Großen und Ganzen finde ich diese Entwicklung sehr positiv, zum einen für die Publisher, zum anderen aber auch für die Fans, die sich mittlerweile auf immer mehr Lizenzierungen in den heimischen Landen freuen dürfen.

Und damit schließe ich nun den ersten Teil meines Erlebnisberichtes. Der zweite Teil folgt dann wie gewohnt 1-2 Tage später.

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Ein Kommentar zu “Erlebnisbericht: Manga-Comic-Convention 2015 (1)

  1. Wie immer ein guter Bericht, schön das dein Rücken nicht wieder kaputt ging XD Ich hätte Jo Kaps ja mal gerne gefragt wieso die PREISE der Manga prozentual zur Popularität des Mediums steigern, aber ich stänkere halt gerne 😛

    Ich denke Manga haben im Buchmarkt eh mehr chancen weil E-Mangas einfach nicht so beliebt bei Kindern/Jugendlichen sind, und da also noch echte Chancen sind für den Markt. Freue mich schon auf Teil 2

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